Geschichte der Hannoverschen Burschenschaft Teutonia

 

Die jetzige Burschenschaft Teutonia ist aus drei Mutterbünden hervorgegangen und zwar dem am 20. November 1884 von Studenten der Veterinärmedizin in Berlin gegründeten „Turnverein der Studierenden der Veterinärmedizin“, dem am 11. Mai 1885 gegründeten „Studentischen Turnerschaft“ an der Tierarzneischule in Hannover und der am 21. Juni 1902 gegründeten „Burschenschaft Gothia“ zu Hannover.

Die Cheruscia gründete außerdem 1898 eine Tochterverbindung, die Turnerschaft Teutonia, um mit ihr ein Paukverhältnis einzugehen. Doch bereits im August 1905 löste sich die alte Teutonia wegen Mitgliedermangel wieder auf; ihre restlichen Aktiven traten zur Cheruscia über. Ein ähnlicher Versuch scheiterte auch bei Frisia in Berlin. So beschloss Frisia 1913 Landsmannschaft zu werden und sich dem Dachverband „Coburger Convent“ anzuschließen. 1921 verlegten die Frisen als Landsmannschaft ihren Sitz nach Hannover, weil man hoffte, hier bessere Keilmöglichkeiten zu finden. Im selben Jahr wurde Cheruscia als probende Burschenschaft von der Deutschen Burschenschaft aufgenommen, 1923 erfolgte der endgültige Beitritt. Der dritte Mutterbund, die Burschenschaft Gothia, war gleich Unitas als Burschenschaft gegründet worden und wurde 1911 vom Rüdesheimer Verband Deutscher Burschenschaften (RVDB) als Burschenschaft aufgenommen.

Die Entwicklung nach dem großen Einbruch durch den 1. Weltkrieg verlief in allen drei Mutterbünden relativ ruhig, wenn man von den allgemeinen Problemen durch die politische und wirtschaftliche Entwicklung absieht. Nach 1933 kam es dann aber zu neuen schweren Problemen durch Konflikte und z.T. auch das Überschneiden der Arbeit der Korporationen mit der Arbeit des NS-Studentenbundes. Nach der Auflösung der Korporationen 1935/36 versuchten die drei Bünde zunächst als Studentenkameradschaft zu überleben. Das wurde jedoch durch staatlichen Druck verhindert, und es mussten Kameradschaften gebildet werden, die von den alten Korporationen zunächst formal und personell unabhängig waren, denen aber die Verbindungshäuser, so auch das Cheruskerhaus, als Kameradschaftsheime zugewiesen wurden. So benutzten für kurze Zeit die restliche Aktivitates der Cheruscia und die Mitglieder der Kameradschaft Stedingen das Cheruskerhaus nebeneinander. Bald entwickelten sich jedoch enge Kontakte zwischen den Stedingern und den Cheruskern und die Stedinger wurden zu einer Quasi-Aktivitas der Cherusker, indem in den Kameradschaftsbetrieb auch immer wieder mehr Elemente des Korporationsstudententums einflossen. Der Kameradschaft Stedingen schlossen sich dann auch die restlichen Aktiven der Burschenschaft Gothia sowie der Landsmannschaft Frisia an. 1938 schlossen sich dann die Altherrenvereinigung der Gothia, Frisia und Cheruscia zu einer einzigen Vereinigung zusammen. So überlebte der Bund die Zeit des Nationalsozialismus.

Nach Ende des Krieges trafen sich schon bald in Hannover und Umgebung ansässige und aus dem Kriege zurückgekehrte Bundesbrüder und versuchten, den Bund wieder zu beleben. Schon 1946 bildete sich an der Tierärztlichen Hochschule auch eine Studentengruppe aus ehemaligen Stedingern, einigen Altherrensöhnen und anderen am Korporationswesen interessierten Studenten und gründeten den „Studentenverein Universitas“, der schon 1947 von der britischen Militärregierung offiziell zugelassen wurde. Aus Sorge, dass die Besatzungsmacht Kontakte zu einer Altherrenvereinigung missbilligen könnte, waren die Verbindungen zwischen der Universitas und dem Altherrenverband zunächst nur inoffiziell, aber herzlich. Bald konnten aber auch diese Bedenken fallen gelassen werden, und es gab wieder offiziell eine Aktivitas und eine Altherrenschaft.

Die Aktivitas beschloss in den Jahren 1949/50 im Hinblick auf die Traditionen der Cherusker und Gothen und auch wegen der politisch-liberalen Traditionen der Burschenschaften, sich in eine Burschenschaft umzuwandeln. Es wurde auch erwogen, sich des in Gründung befindlichen Dachverbandes „Deutsche Burschenschaft“ (DB) anzuschließen. Nachdem man an den Beratungen in Marburg teilgenommen hatte, konnte sich die Aktivitas jedoch nicht sofort zur Ratifizierung der „Marburger Beschlüsse“ entschließen. Zum Teil bestanden auch bei den Alten Herren der Landsmannschaft Frisia Bedenken gegen einen Anschluss an die DB. Man ließ den Streitpunkt ´Dachverband` zunächst fallen, um sich dem Ausbau des Bundes nach innen zu widmen.

Die Altherrenschaft beschloss auf dem Stiftungsfest 1951 den Namen Teutonia und die Farben Rot-Silber-Grün anzunehmen. Als Wahlspruch wurde der Cheruskerwahlspruch „Amico Pectus, Hosti Frontem“ („Dem Freund die Brust, dem Feind die Stirn“) gewählt. 1951 erfolgte dann der Beitritt zur Deutschen Burschenschaft und 1953 wurde dann nach heißen Debatten und unter dem schmerzlichen Austritt von sieben Aktiven, denen später noch einige Philister und jüngere Alte Herren folgten, auch der Paukbetrieb wieder aufgenommen. Im Jahre 1954 erfolgte der Erwerb des Hauses in der Ludwig-Barnay-Straße 3.

Die Teutonia hat innerhalb des Dachverbandes „Deutsche Burschenschaft“ im Laufe der Zeit vorübergehend verschiedenen Gruppierungen angehört, aber dabei immer einen liberalen Standpunkt vertreten. Dass dieser liberale Standpunkt nicht durchzusetzen war, führte zum Austritt aus den vorgenannten Gruppierungen und – durch Aufnahme eines Zivildienstleistenden im Herbst 1994 - letztlich zum Ausschluss aus dem alten Dachverband. Auf dem Altherrenconvent im Herbst 1995 beschloss man, einen neuen burschenschaftlichen Dachverband mitzugestalten. Am 13. Januar 1996 fand schließlich auf dem Haus der Hannoverschen Burschenschaft Teutonia der Gründungsburschentag der Neuen Deutschen Burschenschaft statt, dessen Vorsitz in den Jahren 2008/09 und 2014/15 übernommen wurde. 

Aktuell besteht die Teutonia aus 20 Aktiven und 165 Alten Herren.